Niemand weiß, wie die Irminsul oder Irmensäule ausgesehen hat. Seit Jahrhunderten wird gemutmaßt und geforscht. Die Meinungen hierzu  gehen aber weit auseinander. Wolfgang Golther schreibt in seinem “Handbuch der Germanischen Mythologie”:
“Tempel ist zugleich Wald. ... Da wohnt die Gottheit und birgt ihr Bild in rauschenden Blättern der Zweige. ... Nur Bäume hegten den Gott und über Bäumen stand er Himmel offen. ... Die Bekehrer hatten oft mit heiligen Wäldern, insbesondere mit heiligen Bäumen zu tun. ... Bonifacius fällte bei Geismar die Donarseiche und erbaute aus ihrem Holz eine Peterskapelle.”
Golther vermutet weiter, dass im Laufe der Zeit um die heiligen Bäume Tempel gezimmert wurden. Im Mittelpunkt stand aber immer der heilige Baum.
Golther, Wolfgang: Handbuch der Germanischen Mythologie, Leipzig 1895

Johannes Bödger (2001) zitiert aus dem Diemaltalboten von 1939:
“Dies Götzenbild war in Gestalt eines bewaffneten Mannes, der stund unter blauem Himmel im grünen Feld in den Blumen bis an den Leib, mit einem Schwert umgürtet. In der rechten Hand hielt er ein Panier, darin eine rote Rose oder Feldblume war, in der linken eine Waage. Auf seinem Helm stund ein Wetterhahn, auf dem Schilde ein Leu und auf der Brust ein Bär ....”

Im gleichen Buch zitiert er Johann Wilhelm Fischer:

“Hier stand der heil´ge Baumstamm
Auf Eresberges Höh´n,
 Er schaute in die Lande,
Und ward von fern geseh´n. -
Wo Irmin Ofer heischte
Von Menschen-Blute rot,
Der Heiden-Priester Tugwort
Dem Sachsen-Volk gebot, -
Dort von der Jungfrau hehr und mild
Sieht man nun steh´n ein altes Bild.”
 

Bödger, Johannes: Marsberg Eresburg und Irminsul, 2. Auflage, Marsberg 2001

[Hinter der Kirche stand eine Marienstatue (heute in einer Nische an der Südseite) auf einer Säule, zu der dieses Gedicht von Fischer gehört. Daneben hat der AK Sagenweg die Irminsul-Tafel platziert.]

Fritz Kühn (1938) schreibt:
“Das furchtbare Schicksal des tapferen Sachsenvolkes war besiegelt mit der Zerstörung seines höchsten Heiligtums, der geheimnisreichen Irminsäule. Die Irminsäule - es gab wohl mehrere solcher Säulen - war als Baumstamm das Urbild der Kraft und des Lebens.”
Kühn, Fritz: Sagen des Sauerlandes, Meschede 1938

 

Diese Zitate sollen begründen, warum der AK Sagenweg einen Baum als Symbol für die Irminsul gewählt hat.

 

Text und Bild der Sagenweg-Tafel “Irminsul”:

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